Luna & Lilly


 

Im Februar 2016 ging ein Hilferuf über sämtliche Tierschutzseiten. In Bochum hatte eine Autoverwertung Insolvenz angemeldet.

Nun,so etwas passiert bisweilen.Dramatisch war das Geschehen für die 4Wachhunde, die dort ihren Dienst taten. Es fand sich für keinen einzigen ein Interessent. Es handelte sich um eine reinrassige Rottweiler- Hündin Luna (die das TH BO einst selbst dorthin vermittelt hatte und ihre Aufnahme nunmehr ablehnte) ihre Tochter Lina (Rotti x DSH Mix) und aus einem weiteren Wurf Lilly und Jack.

Das Gelände wurde geräumt, man bat das zuständige Vet.- Amt um Hilfe und bekam von dort die Auskunft, dass die Hunde bis zu einem Stichtag das Gelände verlassen haben müssten, ansonsten würden sie von Amts wegen eingezogen und getötet. Die Situation war brenzlig, zumal die Hunde ausschließlich als Wachhunde gehalten wurden was bedeutet, dass sie gezielt nicht an Menschen gewöhnt waren.

Tagsüber wurden sie in einem gemauerten Verließ ohne Dachüber demKopf von allem isoliert und zum Feierabend um 18 Uhr wurden sie von einem speziellen Mitarbeiter freigelassen, um ihren Job zu verrichten. Somit stand also eine Truppe zur Vermittlung, die man nicht an jeden unbedarften abgeben durfte. Wir entschlossen uns, Luna zu übernehmen, weil sie als die Älteste Erfahrungsgemäß die wenigsten Vermittlungschancen hatte.

So fuhr ich also nach Bochum, um Luna kennenzulernen und am Folgetag mit ihr heimzureisen. Mit einem Ring Fleischwurst bewaffnet traf ich dort ein. Der inzwischen freigestellte Betreuer der Truppe betreute seine Schützlinge weiter und kam extra von Zuhause, um mir Luna zu präsentieren. Nun, die ganze Truppe war so korrupt als ich meine Fleischwurst auch an die anderen verteilte, dass wir ulkten sie seien auch für höhere Ämter tauglich.

Aggressiv war interessanter Weise keiner von ihnen (ich hatte zwar kein schwarz/braunes Fell, aber scheinbar roch ich wie ein Artgenosse) und jeder ließsich zum Erstaunen des Betreuers von mir durch die Gitter streicheln. Nun rückte er mit seinem speziellen Kummer heraus. Lilly war sein Sorgenkind.

Diese Süße, bisweilen ein wenig tollpatschige Maus hatte man, weil sie ihrer Mama dermaßen an der Rute klebte, dass Luna genervt war, zu einem Zweigbetrieb verlegt. Nach einem halben Jahr sei sie völlig verstört als psychisches Wrack zurückgekommen. Nun klammerte sie erst recht an Luna. Er urteilte die Situation so, dass Luna supercool sei und eigentlich nur ihr Alter einer schnellen und glücklichen Vermittlung im Weg stehe.

Lilly wiederum sei so instabil, dass er Angst um sie habe. Also kurz mit Moni telefoniert und am nächsten Tag beide eingepackt, wobei zum Verladen der beiden Mäuse das Zufahrtstor verschlossen und die Belegschaft ausdrücklich vor dem Betreten der Außenanlage gewarnt wurde. Ein wenig mulmig wurde mir schon. Worauf hatten wir uns da letztlich eingelassen??? Nachdem die beiden Damen sicher in unserem Kombi verstaut waren kam noch eine kleine Überraschung. Der Betreuer der Hunde, der abermals extra von Zuhause gekommen war, war dermaßen glücklich über die Lösung für Lilly, dass ich mir nicht sicher war ob er mit den Tränen kämpft.

Auch ein Teil der Mannschaft der Autoverwertung kam zu mir, um uns eine gute Reise und den Hunden ein schöneres Leben zu wünschen. Soviel zu den gesellschaftlichen Vorurteilen gegenüber manchen Außenseitern. Wie oft erleben wir, dass bei den sogenannten gutbürgerlichen Hundehaltern die Demenz einzusetzen beginnen zu scheint, sobald der Hund das Haus verlassen hat. Unsere Reise nahm zwischen Hannover und Braunschweig mit einem derben Defekt an unserem Auto ein frühzeitiges Ende. ADAC gerufen/gewartet. Diagnose= Weiterfahrt unmöglich/ Abschleppdienst bestellen.

Mit meinem Schutzbrief hätte ich Anspruch auf einen Leihwagen gehabt. Nachdem ich aber dem netten Straßenwachtmann erzählte woher die beiden so unschuldig dreinblickenden Hündchen stammten und welcher Aufriss bei der Verladung veranstaltet wurde sah er es als der Mann vor Ort auch so wie ich, dass es ziemlich waghalsig wäre die beiden Fellnasen auf dem Rastplatz in ein anderes Auto umzuladen. Eine gute Stunde hat er dann mit der Zentrale in München um die Freigabe für einen Direkttransport nach Hause verhandelt. Ich hörte ihn argumentieren, dass wohl erst ein Autovermieter gefunden werden müsse, der den Transport dieser nicht gar so umgänglichen Hunde in seinem Mietwagen zuließe.

Selbst wenn das gelänge sollten sie bitteschön von München aus regeln, dass die A2 in beiden Fahrtrichtungen gesperrt würde nachdem sie vom TH Hannover ein paar Pfleger zu Hilfe geholt hätten.

Das zog, der Abschlepper kam und die Reise ging weiter. Endlich angekommen, das Auto in die Scheune bugsiert und die beiden Damen voll gespannter Erwartung freigelassen. Und, es waren ganz normale Rottis die eine ausgiebige Runde über das Gelände drehten, zig Pi-Mails lasen b.z.w. auch ihre „Anmeldungen“ hinterließen und dann willig in ihren Zwinger gingen. Völlig unproblematisch.

Wir waren verblüfft und erleichtert zugleich. Sehr schnell zeigte sich in der Folge, dass die beiden hungrig, verschmust, aber skeptisch, jedoch auf keinen Fall gefährlich waren. Monika war offensichtlich die erste Fraumit der Lilly jemals Kontakt hatte. Lilly, anfangs scheu bis ängstlich, taute immer mehr auf und die beiden waren mal wieder ein Beispiel dafür, dass es keiner Ahnentafel und Titel bedarf, um einen wunderbaren Hund zu bekommen. Luna hatte das Leben auf dem Schrottplatz eine Menge ihrer Gesundheit gekostet. Mehrmals haben wir, die Regenbogenbrücke schon in Sichtweite, mit ihr noch die Kurve bekommen.

Die zuckersüße Maus wickelte im Nu alle Menschen um ihre Pfoten. Jeder mochte sie und als der Tag des Abschiedes gekommen war haben unglaublich viele mit uns um sie getrauert. Man hatte mich in Bochum gewarnt, dass die beiden auch perfekte Reißwölfe seien und ja, einiges an Matratzen etc. haben sie geschreddert. Langehaben wir geglaubt,sämtliche Zerstörungen gingen auf das Konto der ohne jegliche Erziehung aufgewachsenen Lilly.

Eines Tages, die beiden waren inzwischen wegen Lunas Gesundheit aus der Zwingeranlage ins Haus umgezogen, hörten wir ungewöhnliche Geräusche aus ihrem Zimmer im Obergeschoß. Als Monika den Raum betrat glaubte sie ihren Augen nicht trauen zu können. Lilly malträtierte am Boden ein Sofakissen und Luna, wer hätte es für möglich gehalten, stand auf der Schlafcouch und zerfetzte mit Inbrunst die Polsterauflage. Luna war so in ihr Machwerk vertieft, dass sie Monika erst bemerkte als Monika sie ansprach. Hätte sie ein Display auf der Stirn gehabt so wäre darauf wohl zu lesen gewesen: „Mist, erwischt“.

In Bochum waren die Schrottautos der einzige Wetterschutz, den die Hunde hatten. So hatten sie auch gelernt sich Autotüren selbstständig zu öffnen. Eine nette Geschichte samt Video wird es irgendwann in der Rubrik „aus dem Nähkästchen geplaudert“ geben. Ein bewegender Moment war es als Lunas Sohn Jack, er lebt bei einem tollen jungen Paar nahe Rostock, uns besucht hat. Auch der Bursche hatte dank seiner unerschütterlich an ihn glaubenden Leute eine enorme Entwicklung gemeistert. Mama Luna war recht reserviert, Lilly ebenso. Trotzdem schien Luna sich zu freuen ihren Rüpel noch einmal zu sehen.Verblüffend war für uns die Erkenntnis, dass Lilly nach Lunas Tod alleine nie etwas kaputt gemacht hat.

Im September 2019 Haben wir sie mit dem neu angekommenen Rüden Rico vergesellschaftet. Rico war ein Notfall aus Berlin, knapp 4 Jahre alt und etwas gehbehindert. Lilly hat sich seiner angenommen als sei er ein kleiner Bruder. Leider war Rico so krank, dass wir ihn an seinem 4. Geburtstag über den Regenbogen gehen lassen mussten. Inzwischen ist der leider erst 2-jährige Paco, ein ???? x????? Mix, schwarz- braun wie ein Rottweiler, bei ihr eingezogen. Seitdem ist wieder Action in der Küche und ja, es gibt wieder massive „Materialverluste“. Wir arbeiten daran.