Enya


 

Kurz bevor wir aus NRW nach Mc-Pom umzogen sind kam es, womöglich unbemerkt durch uns weil heftig unter Stress stehend ausgelöst, zu einer Beißerei zwischen den bis dato unzertrennlichen Brüdern Teddy und Balu.

Wir waren geschockt, mit der Situation überfordert und haben unwissentlich falschreagiert indem wir wie Eltern von Zweibeinern dazwischen gegangen sind, um zu schlichten. Kurzum, wir hatten es vermurkst. Was nun? Keiner der beiden Brüderhatte je alleine gelebt. Wir wiederum bevorzugen zumindest paarweise Haltung (noch heute trauern wir den seligen Zeiten mit unserem Viererpack nach). Also haben wir den deutlich robuster gebauten Balumit Ronja  und standen jetzt mit dem alleingebliebenen Teddy vor Problemen. Moni telefonierte wieder mit unseren Freunden von R. i. N. und ja, da wäre eine etwa 18 Monate alte, sehr ruhige Hündin verfügbar. OK. Es war eines der bekannten „ Brückentags-Wochenenden“ im Mai.

Wir hatten wieder eine Fuhre Materialnach Mc-Pom verfrachtet und das Wochenende dort in unserer zukünftigen Heimat in unserem Wohnwagen verbracht der schon auf unserer „Apfelwiese“ vorab sein neues Zuhause gefunden hatte. Sonntags nach dem Frühstück hieß es Abreise. Es stand auf der Heimreise der „kleine Schlenker“  nahe Darmstadt auf dem Plan.Die Fahrt verlief ohne Probleme und wir lernten also Enya, sie hieß damals noch Grazia, kennen.

Der Schatz war wirklich zuckersüß und Teddy war gleich von ihr angetan. Also, Enya übernommen, Balu und Ronja im fest eingebauten Zwinger im hinteren Fahrzeugteil, Enya und Teddy im mittleren Bereich (das waren noch Zeiten mit einem Sprinter ging vieles besser) und Abfahrt Richtung Niederrhein. Wir kamen nach insgesamt1200 KM gegen 21 Uhr Zuhause an. Am nächsten Tag stand Frühschicht, also 3 Uhr wecken auf dem Plan. Schnell die Hunde füttern, selber einen Happen essen, eine Flasche Bier zu runterkommen, Hunde noch einmal raus und dann schnell in die Falle. Error, das war nix.

Die süße Enya hatte wohl noch nie in ihrem Leben eine Treppe gesehen. Ich war zu ungeduldig und überließ es Monika zunächst mit Engelszungen auf die Maus einzureden und danach, weil es so nicht voran ging, Stufe für Stufe mit Leckerchen zu belegen. Endlich war auch der neue Schatz im Haus. Als ich am nächsten Tag von der Arbeit kam wurde ich mit breitem Grinsen empfangen. Enya und Teddy hatten Auslauf im Garten wobei Enya voller Eifer übte die Kelleraußentreppe immer wieder hoch und runter zu laufen. Geht doch! Nach unserem Umzug wurde der Bereich Küche/Flur/Veranda ihr gemeinsamer Lebensbereich.

Die Höhle unter der Treppe hatte es den beiden angetan. Der Platz wäre ideal für die beiden gewesen, hätte sich Enya nicht als kleine Domina entpuppt. Teddy hatte bei ihr nichts zu melden und flog auch öfter mal aus der Höhle raus. So kam es überhaupt dazu, dass unter dem Küchentisch ein weiteres Körbchen platziert wurde.

Nachdem Balu verstorben war und Nena vor lauter Trauer das Fressen einstellte haben wir als Notlösung, im Glauben es wäre nur vorübergehend, Teddy und Nena einander vorgestellt. Was wir dabei erlebten hat uns verblüfft. Beide waren hin und futsch. Diese Love-Story a´laRotti hätte perfekt verfilmt werden können. Die beiden konnten/durften wir niemals mehr trennen.

Tja, nun hatten wir das Problem, dass Enya das Alleinsein blöd fand und das Fressen, das ihr sonst so wichtig war, einstellte. Wieder haben wir mit Hilfe von R.i.N. Elmo, einen Deckrüden, der mit 7 Jahren in Rente geschickt wurde, als neuen Partner für Enya bekommen. Die beiden kannten sich schon aus der Zeit in der Auffangstation. Ja, für Enya begann eine neue Zeit. Elmo strotzte vor Selbstbewusstsein. Enyas herumgezicke interessierte ihn überhaupt nicht. Wenn sie ihn anranzte, weil er sich zu ihr in die Höhle legen wollte drehte er sich halt um und parkte rückwärts ein. Enya hatte nun die Auswahl beiseite zu rücken oder zu erleben, dass er sich notfalls einfach auf sie draufsetzt. Insgesamt hatten auch diese Beiden ein paar schöne Jahre bis Elmo infolge eines Nierenversagens mit 11 Jahren über die Regenbogenbrücke ging.

Nun war Enya wieder alleine. Wieder mochte sie nicht fressen. Riefen wir sie, um nach draußen auf das Grundstück zu gehen stand sie kurz auf, gab der Außentür mit der Schnauze einen energischen Schubs sodass sie krachend ins Schloss fiel und legte sich wieder hin. Was tun? Ein neuer Partner sollte helfen. Inzwischen hatte der Fortschritt bei uns Einzug gehalten, es gab jetzt einen PC und Internet.

So reiste ich mit Enya nach Bad Oldesloe wo die dortigen TS-Leute einen jungen Rüden aufgenommen hatten, der nichts kannte, außer dem dunklen Dachboden, auf dem er gelebt hatte. Das Kennenlernen mit Enya ging schief. Er wollte meine Maus gleich frühstücken. Eigentlich wollte ich als Plan B zum TH-Hannover wo es auch einen interessanten Rüden gab. Kaum auf die Autobahn aufgefahren rief unsere Regie an. Ich sollte doch erst mal im Hamburger TH an der Süderstraße verbeischauen.

Dort sei auch ein Rüde. OK. Im TH HH war man skeptisch, zeigte mir den Jungen trotzdem. Diego ging in seinem Zwinger prompt hoch wie eine Rakete und wir standen uns Auge in Auge gegenüber. Über meinen Kommentar „der ist aber süß“ war die Pflegerin sichtlich irritiert. Ok, erklärt was ich vorhatte, über Diego Infos abgefragt und dabei erfahren, dass er schon einmal den Wesenstest versiebt und 5 Gassigänger verschlissen hatte. Sein Vorbesitzer hatte ihn dort persönlich abgegeben, weil er für ein paar Jahre in den Knast musste. Es ist also unwahrscheinlich, dass er aus den vornehmeren Hamburger Stadtteilen stammte. Nun Noch ein Pfleger besorgt, der sich traute und mit Diego in den Auslauf. Er war eine stattliche Erscheinung und laut dem Pfleger nicht ganz ohne. Aber, Enya fiepte begeistert.

Der Kerl sollte es sein. Na gut. Mitnehmen durfte ich ihn nicht, weil es keine VK gab (ich hatte auch nicht den Eindruck, dass man gewillt war sich wegen Diego auf solche Entfernung zu bemühen) und meine Frau müsse unbedingt selber herkommen, um zu bestätigen, dass sie mit Diego einverstanden sei. Außerdem sei Diego ein Frauenhasser. Wenn ihr meint…

Während ich heim fuhr rief Monika unser Vet- Amt an. Sie schilderte die Situation und bat das Vet- Amt um eine Kontrolle. Die wurde am Folgetag durchgeführt. Mit der Bescheinigung des Vet´s düsten wir nach vorherigem Anruf nach Hamburg.

Ein Jahr hatte man Diego dort verwaltet und ertragen und ausgerechnet an diesem Tag sollte er kastriert werden??? Egal, Moni und Diego harmonierten und so marschierte Diego 20 Minuten vor der Narkosespritze aus dem Tor. Enyas Welt war wieder in Ordnung. Trotz erheblicher Herzprobleme ist Enya immerhin 12 ½ Jahre alt geworden und hat dann Diego als Witwer zurückgelassen.