Elmo


 

Elmo kam als Deckrüde im Ruhestand im Alter von 7 Jahren zu uns. Er war der Onkel unserer Nena, genau so bildschön und eigentlich auch genau so lieb wie sie, obwohl in Sachen Selbstbewusstsein war er seiner Nichte um Klassen voraus.

Elmo zog bei uns ein nachdem wir meinen geliebten Balu hatten über den Regenbogen gehen lassen müssen. Nena litt so heftig unter dem Verlust, weil sie zum ersten Mal in ihrem Leben ohne die Gesellschaft eines Artgenossen war. In der Küche lebten bis dahin Teddy und Enya wie so manches Zweibeiner-Paar. Enya hatte das Zepter fest in der Pfote und Teddy hatte mit ihr nichts zu lachen, worunter er wohl auch ein wenig litt.

Nena´s Trauer wurde nach wenigen Tagen so heftig, dass sie begann das Fressen einzustellen. Hier musste sehr schnell eine Lösung herbeigeführt werden. Wir starteten ein Experiment: Nena war unglücklich, weil alleine. Teddy war auch nicht glücklich, weil die zuckersüße Enya ihn so tyrannisierte. Wir lotsten Teddy ins Schlafzimmer zu Nena und….. hätten den Film Love-Story a´ la Rotti drehen können. Das war von der ersten Sekunde an die große Liebe. So etwas haben wir davor nur bei Rimo und Ben und danach nie mehr gesehen. So, dieses Problem hatten wir gelöst, das nächste folgte prompt. Enya hatte niemand mehr zu tyrannisieren.

Das fand sie so blöd, dass sie ebenfalls das Futter und ebenso den Gassigang verweigerte. Haben wir ihr die Außentür geöffnet damit sie auf dem Grundstück ihren freien Auslauf genießen konnte stand sie kurz auf, gab der Tür einen energischen Schubs so dass sie krachend ins Schloss fiel. Sie war also auch mit dem Alleinsein todunglücklich.

So kam es, dass Elmo zu uns stieß.Elmo war ein Prachtkerl, 7 Jahre alt und als Deckrüde in Rente geschickt worden. Enya lebte schlagartig auf, für uns sollten allerdings die nächsten 3 Monate zu einer harten Prüfung werden. Elmo war nicht nur bildschön, sondern auch sprichwörtlich selbstbewusst und hochintelligent. Eigentlich ein Traumhund (was er bald auch wurde), wären da nicht ein paar Eigenheiten gewesen die vorrangig Monika an den Rand des Wahnsinns brachten.

Weil er für einen unkastrierten Rüden sehr sozial war, teilte er sich seinen Zwinger oft mit anderen Hunden. Das Leben im Haus war für ihn völlig fremd. Damals stand aus unserer Sorge heraus, unsere Hunde könnten einmal unter Wassermangel leiden, bei jedem Pärchen ein 20l- Eimer mit Wasser. Anscheinend waren Elmo´s Zwingergenossen nicht so sozial wie er und hatten ihm wohl immer alles weggesoffen. Elmo entdeckte bei seiner Ankunft den großen Wassereimer und war fortan mit Eifer bemüht ihn schnellstens leer zu saufen. So kam denn auch was kommen musste bei einem Ex-Zwingerhund.

Er hat nicht nur Unmengen gesoffen, es kamen logischerweise auch Unmengen „ Saurer Regen“ aus ihm raus, so wie er es zeitlebens gewohnt war, Ecke gesucht, Bein hoch, Schleuse auf und Abwasser marsch(und zwar in Mengen wie wir sie nur von unserem Oldenburger Wallach kannten). Schon sehr bald hatte der süße Kerl von mir den Spitznamen El Flute. Vor Allem der Gasherd in der Küche hatte es ihm angetan. Den hat er gewissenhaft gleich mehrmals täglich „signiert“.

So 4 bis 5 mal täglich musste Moni den Herd von der Wand abrücken, ihn abwaschen und die Seenlandschaft darunter beseitigen. Ich habe damals ernsthaft erwogen den Herd auf Rollen zu montieren, um Moni die Arbeit zu erleichtern. Es half nichts, wir mussten das Wasser rationieren, d. h. beide Hunde trinken lassenund dann den Eimer für 2 Stunden wegräumen u.s.w. sowie weitere Maßnahmen. Alles zusammen hat dann irgendwann zum Erfolg geführt. In seinem Zwinger hatte es Elmo geliebt auf seiner Hütte liegen aus erhobener Positionalles im Blick zu haben.

Im Haus fehlte ihm hierfür die Hütte. Für Elmo ein Klacks, fortan dienten der Küchentisch sowie der in der Veranda als Liegeplätze. Extrem „stachelige“ Tischdecken haben ihm diese Plätze bald verleidet. Elmo war wie schon erwähnt sehr intelligent und zudem auch extrem neugierig. Das Leben im Haus steckte voller spannender Neuentdeckungen. Öffnete Monika eine Schranktür verschwand Elmo´s Kopf darin bevor sie selbst hineinlangen konnte. Die Geschirrschränke schien er wohl blöd zu finden, jedenfalls war er mit denen ruckzuck fertig. Da reichte ihm eine „Visite“ pro Schrank. Anders war es jedoch mit dem Kühlschrank. Die beiden schienen einen geheimen Pakt geschlossen zu haben. Egal, wie oft wir gelauscht haben, nie haben wir es erlauschen können wie die Kühl/ Gefrierkombi Elmo zu sich gelockt und vor ihm ihre Pforten geöffnet hat.

So kam es, dass ich eines Morgens in die Küche kam und von unserem Brotbelag nur noch die leere Verpackung vor dem offenen Kühlschrank lag. Monika sorgte vor und evakuierte unseren Eiervorrat von etwa 50 Eiern. Am nächsten Tag hätte ich beinahe mit meinem Antlitz den Küchenboden kontaktiert, er war spiegelglatt. Was war geschehen? Der Kühlschrank hatte wieder einmal den völlig unschuldigen Elmo verführt und den armen Kerl dazu überredet aus dem Türfach eine volle Literflasche Speiseöl u entnehmen, sie auf dem Küchenboden auszuschütten und dann säuberlich aufzuschlecken. Vorrangig hatte ich Angst um Elmo´sWohlergehen. Zumindest speiübel musste es ihm doch sein, Bauchweh und Durchfall musste er doch haben/bekommen.

Nichts von dem Szenario traf zu. Elmo war putzmunter und verfolgte meine Reinigungstätigkeit aufmerksam mitseinen wunderschönen Knopfaugen und natürlich vergaß er dabei nicht mindestens gefühlte 30x durch die Sauerei hindurch zu tappen. Das alles spielte sich in der Zeit ab wo es uns finanziell so mies ging dass wir jeden Monat aufs Neue gebangt haben unser Dach über dem Kopf zu verlieren weil sich für unser Haus in NRW kein Käufer finden wollte, wir also 2 Baufinanzierungen zu bedienen hatten und im Gegenzug Monika nach einem Zusammenbruch/ Herz-OP erwerbsunfähig geworden war.

Ich muss diese Begleitumstände hier erwähnen damit man sich in die Tragweite der nächsten Episode hineindenken kann. Für uns ist es keineswegs anrüchig beim Discounter preisreduzierte MHD-Ware zu kaufen. So kam es, dass ich ganz stolz vom Einkauf mit MHD- Brotbelag, unter anderem einer Packung Kochschinken heimkehrte. Voller Vorfreude wollte ich sie am nächsten Tag zum Frühstück öffnen, doch da kam Moni´s Veto. Ihr sei von keinem Lottogewinn berichtet worden, angesichts unserer Situation sei es besser den Kochschinken einzufrieren um gelegentlich damit einen Auflauf zuzubereiten. Enttäuscht sah die Packung im Frostfach der Kühl/Gefrierkombination neben dem Küchentisch verschwinden, Elmo ebenfalls. Ein oder zwei Tage später hatten Moni und ich auf der Wiese vor dem Küchenfenster zu tun.

Ich weis heute nicht mehr was ich aus der Küche holen wollte als mir beim Betreten der Küche der Atem stockte, wobei ich über die gleiche Szene in einem Disney-Film vor lachen geprustet hätte. Die Tür des Frosterfaches stand offen. Auf dem Fußboden lag eine aufgerissene Tüte gefrorene Pommes-Frites an denen Enya genüsslich naschte. Auf dem Küchentisch stand Elmo und fraß………, oh nein(!!!!!!!!), den Kochschinken. Heute lachen wir darüber, damals brauchten wir dazu doch einen gehörigen Anlauf.An einem anderen Morgen, mittlerweile war der gesamte Kühlschrankinhalt evakuiert, kam ich in die Küche und wurde erneut von der offenen Kühlschranktür keck angegrinst.

Vor lauter Unmut darüber, dass der Kühlschrank komplett leer war hatte Elmo sämtliche Einlegegitter herausgerissen und in Küche, Flur und Veranda verteilt. So konnte es nicht weitergehen. Nachmittags zeigte sich unser Kühlmöbel in neuem Design. Seine Taille wurde ab sofort ganz dezent durch einen Spanngurt betont. Elmo schaute sehr interessiert zu, wenn wir brabbelnd und zum Teil genervt den Gurt auf und zu gefummelt haben, um den Kühlschrank zu nutzen. Manchmal glaubte ich ein schadenfrohes Grinsen in seinem Gesicht zu sehen. Irgendwann haben wir dann auch diese Hürde genommen. Elmos Zusammenleben mit der süßen, aber zickigen Enya war recht interessant. Der selbstbewusste kleine Macho ließ sich von ihrem Herumgezicke nicht die Bohne beeindrucken. Teddy hatte sie ja meist vertrieben, wenn er zu ihr in die Höhle unter der Treppe wollte.

Elmo ließ sich überhaupt nicht davon beeindrucken, sondern drehte sich dann um und parkte einfach rückwärts ein. Wenn Enya ihren Kopf nicht schnell genug beiseite genommen hätte wäre wohl sein Po darauf gelandet. Für den stillen Betrachter sah diese Szene jedes Mal wie eine Neuinszenierung von Goethes Götz von Berlichingen a` la Rotti aus. Als Elmo im 11ten Lebensjahr zunehmend mit Lahmheit wegen Arthrose zu schaffen bekam entschlossen wir uns zu einer Goldakkupunktur. Weil wir bei der üblichen, der Narkose vorausgehenden Blutuntersuchung diverse Blutwerte zusätzlich ermitteln lassen wollten, die das Hauslabor des TA nicht ermitteln konnte hat der TA die komplette Blutanalyse dem externen Labor überlassen um uns die Kosten einer Doppeluntersuchung zu ersparen.

Das war, wie wir lernen mussten gut gemeint aber fatal. Während des Eingriffs kam es zu einem Herzstillstand der zum Glück mit Herzdruckmassage behoben werden konnte. Die Aufwachphase dauerte ungewöhnlich lange. Zuhause am nächsten Tag mochte Elmo nicht fressen und nicht Gassigehen. Wir waren besorgt. Am übernächsten Tag spurtete Elmo zum Tor und zeigte an, dass er zum Gassigang bereit sei. Überglücklich zog ich mit ihm und Enya los und freute mich über jeden Umweg, den er uns zeigte. Wieder Zuhause fraß er mit großem Appetit, die Welt war wieder in Ordnung. Umso größer der Schock am folgenden Morgen an dem Elmo nicht wie sonst beim Betreten der Küche begrüßte, weil er in der Veranda lag. Er war……… tot. Es war Sonntag. Am Montag kontaktierten wir den TA der total bestürzt war. Am Dienstag kamen dann per Fax die Blutwerte und ein Anruf des Tierarztes.

Die Blutwerte zeigten, dass Elmo an einem Nierenversagen gelitten hatte, das uns nicht bekannt warund deshalb sein Körper die Narkose nicht vertragen hat. Wir haben es alle gut gemeint. Hätten wir ihm nicht die Schmerzen nehmen und der TA uns Kosten sparen wollen wäre die Geschichte wohl anders gelaufen wobei ein Nierenversagen auch wenig Therapiemöglichkeiten bietet. Seitdem bekommt keines unserer Fellkinder eine Narkose ohne entsprechende Blutwerte vorher ermittelt zu haben.