Salt


 

Salt war direkter Nachfolger von Chico in fast jeder Hinsicht. Wochenlang geisterte er durch das Netz nachdem die Orga, der er gehörte, das Dach über dem Kopf verlor.

Zur Übergabe reiste Salt hier an und wurde uns mit Maulkorb vorgestellt,wobei weder wir noch alle Gäste und Freunde die Salt über die Jahre, die er hier lebte kennengelernt haben, jemals verstanden haben wozu dieser Aufriss bei Salt gut sein sollte. Salt kam auf unser Gelände, Maulkorb und Leine wurden abgenommendamit der Junge mit uns Kontakt aufnehmen konnte. Vorab waren wir informiert, dass Salt fast blind war. Zuerst hat er mit mir wie mit einem alten Freund gekuschelt, danach mit Moni. Die Dame die Salt abgab stand etwas verunsichert neben Moni. Ich nutzte derweil die Zeit zu einem Gespräch mit dem Mann, der als Fahrer fungiert hatte. Beim Kuscheln war mir aufgefallen, dass Salt`s Reißzähne gekappt waren.

Was der Mann mir da an Infos über Salt auftischte war unfassbar. Ich spielte den einfältigen und ließ ihn reden. Salt sei erblindet, weil er brutal misshandelt wurde (was ich angesichts der gekappten Reißzähne nicht bezweifelte. In der Szene, in der so etwas üblich ist, herrscht rohe Gewalt). Ich erinnerte daran, dass für Salt nicht lange zuvor ein Spendenaufruf durch das web ging. Es seien ja nur 150€ zusammengekommen, erwiderte er. Aber er habe das MRT trotzdem machen lassen. Ein Kumpel habe es nachts in einer Klinik ohne Wissen des Chefs gemacht. Nun wurde es spannend. Ich weis, dass nicht jeder hergelaufene eine MRT- Anlage bedienen kann. DieBilder zu befunden ist ebenso nicht einmal jeder Arzt imstande. Es sollte noch blumiger kommen. Das MRT hatte ergeben, dass Salt eine Hirnblutung hatte, die auf seinen Sehnerv drückte. Sein Kumpel habe ihm aber eine Tablette besorgt, die er Salt eingegeben habe.

Diese Tablette habe bewirkt, dass das Blutgerinnsel durch die Nase abgeflossen sei. Bis heute frage ich mich ob der Mann mich für völlig debil gehalten hat. Diesen Schwund habe ich in der TiHo Hannover der leitenden Neurologin und dem leitenden Orthopäden erzählt als ich Salt dort vorgestellt habe. Wie gut, dass mich die beiden schon seit Jahren kennen, ansonsten wären sie womöglich sauer geworden, weil sie sich veräppelt gefühlt hätten. So meinten sieeinhellig, sie seien für Neues immer offen. Ich solle bitte Kontaktdaten des Pillenherstellers beschaffen. Für eine diesbezügliche Fortbildung würden sie notfalls sogar Urlaubstage opfern.

Die Leute fuhren ab und ich packte Salt in unser Auto. Wir hatten ihn zwar notfallmäßig übernommen, bei uns war aber noch kein Platz frei. Für solche Fälle hatten wir ein Abkommen mit dem TH  die, sofern dort ein Platz frei war, solche Notfelle von uns in Pflege nahmen. Hätte sich ein geeigneter Adoptant gefunden wäre der jeweilige Pflegi von dort aus vermittelt worden und die Schutzgebühr an das TH gefallen. Ich brachte Salt also die 120KMweiter. Mit seinem knuffigen Wesen hatte er sehr schnell die Leute um die Pfoten gewickelt. Leider war er nicht sauber zu bekommen. Regelmäßig wurden Futter- und Wasserschüsseln umgekippt und das Ganze mit Kot und Urin gemixt. So hat der kleine Saukerl täglich eine Menge Arbeit verursacht.

Knappe drei Monate später habe ich Salt wieder abgeholt. Weiler auffallend viel geschlafen hatund sehr schnell KO war hatte man ihm zwischenzeitlich ein Herzecho spendiert das besorgniserregend ausfiel. Bei der Abholung stach mir ins Auge, dass Salt nur auf drei Beinen stand und klapperdürr war. Die Herausgabe erfolgte durch einen Azubi des Tierheims der allen Ernstes zu mir sagte ich müsse selbst entscheiden ob ich den wohl noch mitnehmen wolle.Salt hätte eh nur noch ein paar Wochen zu leben, das würde sich ja gar nicht lohnen. Ziemlich geschockt über solche Kaltschnäuzigkeit fuhren wir nach Hause. Zum Glück hat diese Niete die Ausbildung abgebrochen und wir sind uns nie mehr begegnet.

Zuhause zeigte sich, dass, Salt an grauslichem, nicht enden wollendem Durchfall litt. Hefepilze hatten sich in seinem Darm eigenistet. An einer Pfote war die Lederhaut verletzt weshalb er solahmte. Nachdem diese Baustellen abgearbeitet waren entwickelte sich Salt prächtig und wurde hier zum Publikumsliebling. Allerdings behielt er gesundheitlich so manche Baustelle, manche davon wurde größer. Anfangs konnte er zumindest noch schemenhaft seine Umgebung erkennen. Im letzten halben Jahr war er dann komplett blind. Sein Herz verschlechterte sich zunehmend und einen Tumor auf der Milz hat man dann auch noch festgestellt.

Operieren kam wegen dem Narkoserisiko nicht mehr in Betracht. Fasste man ihn an seinem rechten Vorderbein an setzte er ohne jede Vorwarnung die Zähne ein. Eine Röntgenuntersuchung ergab, dass dieses Bein einmalgebrochen gewesen seinmuss,nicht behandelt wurde und schief zusammengewachsen war. Auch sonst brachte er uns bei, dass er es nicht mochte, wenn er zurückgedrängt oder zurückgehalten wurde. Dann wurde er richtig jähzornig und langte ohne Vorwarnung zu. Wer seine Spielregeln einhielt hatte an ihm ein Kuscheltier. Seine Spiele mit dem Fressnapf haben wir ihm verdorben indem wir ihn in der Futterküche abgefüttert haben wie die meisten anderen auch. Sein Wassereimer wurde speziell gesichert und irgendwie spielte sich alles ein wenig ein. Als sich zeigte, dass Salt wohl nicht mehr so viel Zeit bleiben würde ergab es sich, dass er ins Haus einziehen konnte.

Zunächst ging es recht gut mit ihm wenn man ihn alle 2 Stunden nach draußen ließ damit er sich lösen konnte. Später, als er wegen seiner Herzprobleme hochdosiert Entwässerungstabletten verordnet bekam hielten seine Schleusen nicht mehr und es kamen Rüdenwindeln zum Einsatz. Im letzten Stadium konnte er auch seinen Stuhlgang nicht mehr kontrollieren.So wurde halt, bei Bedarf mehrmals täglich, das ganze Zimmer mit Laken ausgelegt die man ja fix wechseln und waschen konnte. Unseren Gästen, die in seinem Zimmer übernachtet haben, war er immer ein sehr liebenswürdiger Gastgeber.

So hatten wir Salt, dem jemand nur wenige Wochen Restlebenszeit prophezeit hatte, 2 ½ Jahre bei uns. Gerade er hat, wie vor ihm schon Chico, vielen Menschen Freude bereitet, ja, wenn es jemand psychisch nicht gut ging, er hatte das Zeug zumSeelsorger und Therapeuten.