Marlon


 

Nach Teddys Tod, bevor Benny zu uns kam, gab es bei uns für kurze Zeit einen Rüden Namens Marlon.

Marlon war als Teddys Nachfolger gedacht und sollte folglich mit Nena im Schlafzimmer leben. Marlon sollte etwa 6 Jahre alt sein. Ihm war sichtbar übel mitgespielt worden, er hatte keine Ohren mehr. Bei seiner Ankunft litt er unter einer grausigen Ohrenentzündung. Ein Ohr war mit Ohrschmalz komplett verschlossen, aus dem anderen rann stinkende Brühe. Klar, es wurde der nächstmögliche Termin in der TK festgemacht. Um die Ohren tief untersuchen und reinigen zu können brauchte es eine Vollnarkose. So war es auch möglich mal Marlons Bauch und die Beine in Ruhe zu betrachten.

Aber, was war das?? Marlons Bauch war von riesigen Narben kreuz und quer überzogen. Seine Beine ebenso. Seine Ohren, so war die Info bei der Übernahme, waren nicht mit einem Messer abgeschnitten worden, sondern die Ränder waren so zackelig als seien sie abgebissen worden. Die TÄ war sich sicher, sie hatte aus dem Hamburger Milieu schon Hunde aus dem Hundekampf gesehen. Hier sprachen alle Anzeichen dafür, dass Marlon aus dieser Szene stammte. S

eine Trommelfelle waren zum Glück nur vernarbt aber ansonsten intakt. So fuhren wir mit einer Ladung Medikamente heim, die Weiterbehandlung sollte kein Problem sein. Marlon ließ sich auch schmusen, legte aber allgemein Wert auf Distanz und wirkte sehr skeptisch bis misstrauisch. Nena, sonst extrem zutraulich, ging massiv auf Distanz, wenn wir uns mit Marlon beschäftigten, aber sie mied auch Marlon. In typischer Menschendenke gingen wir davon aus, sie würde noch zu sehr um Teddy trauern und das würde sicher schon noch werden. Dann ergab sich eine Situation wonach ich ausnahmsweise Nena regeln musste. Prompt kam Marlon angesaust und wollte sich auf Nena stürzen. Zum Glückkonnte ich die Situation regeln.

Puh, noch einmalgut gegangen. Wenige Tage später wollten wir zum Gassi starten. Moni führte Nena angeleint und ich Marlon. Nena, wohl, um zu Marlon auf Distanz zu kommen, zog wie irre als ich das Tor zur Straße öffnete. Moni griff energisch ein und Marlon wollte die Situation nutzen, um sich auf Nena zu stürzen. Mit weit offenem Fang wollte er sie ins Genick beißen, was ich aber ganz knapp verhindern konnte.

Wir waren geschockt. Es wurde uns klar warum sich Nena so merkwürdig verhielt, sie hatte Angst und das zu Recht. Ziemlich ratlos und mit großem Abstand liefen wir unsere Runde. Zuhause war dann Kriegsrat angesagt. Mit Nena zusammen ging es nicht. Zurückgeben wollten wir ihn nicht. Einen Zwinger gab es damals noch nicht bei uns. Was tun, und zwar schnell? Die Dame, die uns gedrängt hatte, Marlon aufzunehmen ist wahrhaft nicht arm.

Wir wiederum krebsten aus verschiedenen Gründen am Existenzminimum und zeitweilig darunter. So blieb keine Wahl, wenn Marlon bleiben sollte musste ein Zwinger herbei. Es gab ein Angebot für einen passablen gebrauchten Zwinger für 400€. Ich bat die Dame, uns die Summe vorzustrecken damit Marlon bleiben könne. Sie lehnte ab mit der Begründung der Junge habe seine Chance gehabt und verspielt. So gab es keine Alternative mehr, Marlon musste zurück zu der Orga von der er gekommen war und ist dort bis an sein Lebensende verblieben.