Ronja


 

Ronja kam an jenem berüchtigten 11. September 2001, als die Welt den Atem anhielt, zu uns.

Wenig später mussten wir einsehen, dass diese zuckersüße Maus auch eine Katastrophe über uns brachte.Im August 2001 war unser geliebter Ben von uns gegangen. Teddy und Balu schienen sich nach 2 Wochen damit abgefunden zu haben. Rimo litt offenkundig sehr unter dem Verlust. Sie war inzwischen 12 Jahre alt, herzkrank, taub, sie begann zu erblinden und es schien, als sei sie dement geworden.

Blauäugig wie wir damals waren hatten wir keine Bedenken eine weitere Hündin dazu zu holen. Wieder war es eine Kleinanzeige im Wochenblatt die uns zu Ronja brachte. Ronja war 17 Monate alt, bildschön, hochintelligent und hätte mit Zweitnamen „Selbstbewusst“ heißen müssen. Nach Recherche fand ich heraus, dass ihre ersten Besitzer ein junges Paar waren. Sozialisierung in Form von Welpenschule, Erziehung in einer Junghundegruppe, all das hat bei Ronja nie stattgefunden. Er habe das alles nicht gebraucht, erklärte mir der Mann. Sein Joggingpartner habe einen Riesenschnauzer und deshalb sei er so kompetent, dass er von ihm beraten wurde. So konnten sie anstatt, dass er mit Ronja zu Hundeschule ging, wie gewohnt miteinander joggen und klein Ronja durfte mit immerhin schon 10 Wochen mitrennen.

Als Ronja 9 Monate alt wurde bekamen ihre Leute für ihre Liste I- Ronja den Hundesteuerbescheid. 900 DM/jährlich wurden fällig. Ihr Frauchen erschrak anscheinend so sehr darüber, dass sie plötzlich schwanger wurde und Ronja musste Hals über Kopf weg, egal wie. So landete Ronja bei einer 17-jährigen Schülerin. Sicherlich hat sie Ronja geliebt.

Erziehung, Fehlanzeige. Leine, ein Fremdwort. Wenn A. mit Ronja unterwegs war, z.B. auf Inlinern, rannte Ronja frei neben ihr, machte unkontrolliert Abstecher durch die Vorgärten und und. A. sah keinen Anlass, auf irgendwen oder etwas Rücksicht nehmen zu müssen. So ging sie nach Belieben aus und scherte sich einen Teufel um Gassizeiten oder blieb auch mal tagelang von Zuhause fern. Ihre Mutter, bei der die beiden wohnten, hatte panische Angst vor Hunden allgemein.

Wenn Ronja vor lauter Not wimmerte, so hat es mir die Mutter erzählt als ich Ronja abholte, hat sie aus der Haustür geschaut ob andere Hunde auf der Straße unterwegs waren. Wenn nicht, schnell eine Beruhigungspille eingeworfen, Ronja auf die andere Straßenseite auf ein unbebautes Grundstück geführt und Minuten später nach erfolgter Verrichtung zurück ins Haus. Somit hat sie sich völlig zu Recht durchgesetzt, dass Ronja vermittelt wurde.

Bei einem Kennenlernbesuch bei uns verlief alles ohne Probleme. Heute sagen wir, wir waren noch zu naiv die Signale zu deuten. Ronja kam also und wirkte merkwürdig unruhig und ihr Leib war hart und aufgetrieben. Ich hatte gerade frei und ging einfach mal mit Ronja an der Leine los. Sie zog wie besessen an der Leine, war aber begeistert. Klar war sie unruhig und ihr Leib hart. Während eines 5- Stunden langen Marsches hat sie allein 8 große Haufen Kot abgesetzt. Zuhause angekommen bekam sie Futter und 2 Stunden Pause. Dann nahm Monika die süße Maus und das Prozedre vom Vormittag wurde wiederholt. In der zweiten Nacht bei uns hatten wir eine ruhige und ausgeglichene Ronja.

Es vergingen gute 3 Wochen ohne Vorkommnisse. Dann, Monika hatte ihren ersten freien Tag und wollte mal in Ruhe durchsaugen weshalb sie mich mit den 4 Hunden zum Ballspiel in den Garten schickte. Schon am morgen war aufgefallen, dass sich unsere Oma Rimo das erste Mal in das Körbchen quetschte in dem Ronja lag. Das hatte es bisher nicht gegeben und wir waren glücklich, weil wir glaubten es sei ein positives Zeichen.

Draußen beim Spiel passierte das Schreckliche: Die Hündinnen kamen wegen des Balls in Streit.es wurde richtig heftig und auch Teddy und Balu gingen mit auf Rimo los. Die Jungs bekam ich unter Kontrolle, nur Ronja setzte ihren Kampf fort. Endlich gelang es mir auch diese beiden zu trennen und Ronja, Teddy und Balu zu sichern. Es soll hier kein Horrorroman geschrieben werden, darum nur so viel: Rimo war so schwer verletzt, dass wir sie in Anbetracht ihres Gesamtzustandes noch in der Narkose beim TA erlösen ließen. Verhaltenstherapeuten, die mit uns die Situation analysiert haben, sind der Überzeugung, dass Rimo den Streit provoziert hat.

Es war so etwas wie der Suizid einer Witwe. Wir allerdings wollten Ronja nicht mehr um uns haben. Wir wollten sie vermitteln. Trotz allem was geschehen war stellten wir aber hohe Ansprüche an die potentiellen Adoptanten. Und natürlich fand sich keiner. So hat vorrangig Moni mit Ronja geackert und hat eine tolle Hündin aus ihr gemacht die nie ein Allerweltshund war und trotzdem für/mit uns genial. Sie strotzte vor Selbstbewusstsein und hatte eine enorme Ausstrahlung. Oft denken wir daran zurück wie Moni auf einem Spaziergang hier durch ein Nachbardorf ging. Ronja natürlich angeleint, gingen sie an einem Grundstück vorbei wo, wie hierzulande üblich, ein riesiger Schäferhund an der Kette lag und bei Ronjas Anblick tobte.

Plötzlich klirrte es, die Kette war gerissen und der Schäferhund sprang über den Gartenzaun. Leute in den Nachbargärten brüllten erschrocken, dieser Hund habe schon 3 Hunde totgebissen. Und Ronja, blieb ganz ruhig stehen und fixierte den Schäferhund. In 2 Meter Abstand blieb er plötzlich stehen als hätte Ronja ihm signalisiert: „ Komm näher, dann bist du tot“. Plötzlich drehte der Schäferhund um, sprang zurück in seinen Garten und der Spuk war vorbei. Kurz bevor wir aus NRW wegzogen hat es leider zwischen Teddy und Balu geknallt. Wir wollten dann den robusteren Balu mit Ronja als Paar halten. Das ging leider gründlich schief. Ronja ging auf Balu los und lebte fortan einzeln. Nachdem wir unsere Farm hier in Mc-Pom übernommen hatten lebte ich mit den Hunden, 2 Pferden und einigen Hühnern hier und Moni hat weiter in NRW gearbeitet.

So kam sie dann nach 10 Nächten im Krankenhaus hier angesaust und ist jeweils am 4 Tag wieder zurück. Gewohnt hat sie in unserem leerstehenden, noch nicht verkauften Haus in NRW. So ergab es sich, dass Ronja immer mit Frauchen zusammen „auf Montage“ gereist ist. Es war mir ein wenig Arbeit abgenommen und gab mir ein gutes Gefühl. Eine Frau alleine nachts auf den Rastplätzen der A1, das ist keine Shoppingtour. Mit Ronja an der Leine ist sie niemals behelligt worden. Ronja hatte ihre Macken, wie zum Beispiel einen unglaublichen Jagdtriebwegen dem wir uns auch schweren Herzens von Monis 3 Katzen trennen mussten (sie konnten sich nicht dreinfinden, dass sie zu ihrer Sicherheit im Obergeschoss separiert gehalten wurden). Trotzdem war sie genial.

Auf ihren Instinkt war Verlass. Hat sie uns wissen lassen, dass sie einen Menschen nicht mochte, so zeigte sich meist bald, dass sie Recht hatte. Ihren 10. Geburtstag hat sie leider nicht mehr erleben dürfen.Im Glauben, sie habe einen Bänderriss fuhr ich mit ihr zum OP- Termin zur TK . Zurück kam ich mit der euthanasierten Ronja. Im Röntgen zeigte sich und wurde durch Biopsie bestätigt, sie hatte ein Knochensarkom im Endstadium. Es war der letzte Gefallen, den wir ihr tun konnten, sie aus der Narkose nicht mehr wach werden zu lassen.