Tyson


 

Tysons Lebensgeschichte zu schildern bedeutet, eine traurige, ja erschütternde Geschichte zu schreiben die sich im „Tierschutzparadies“ Deutschland abgespielt hat.

yson lebte in der Pfalz bei einem jungen Mann. Als er etwa 4 Jahre alt war bekam sein Besitzer massive Probleme, scheinbar hatte er sich die falschen Leute zu Gegnern gemacht. Nachdem er mit seinem Vater lange Zeit keinerlei Kontakt hatte stand er plötzlich mit Tyson vor Vaters Tür und bat ihn, Tyson für eine in Obhut zu nehmen da er für eine Weile abtauchen müsse. So landete Tyson in einem nicht mehr genutzten, dunklen Schweinestall wobei unklar blieb ob er dort jemals herauskam. Ganze 7 Jahre hat der arme Kerl in diesem Stall gehockt. Dann wurde der Vater krank weshalb er das Anwesen verkaufte. Von seinem Sohn hatte er all die Jahre nicht einmal ein Lebenszeichen bekommen. Die Übergabe stand an, das Objekt wurde geräumt. Wohin mit dem inzwischen 11 Jahre alten Hund. Wir alle wissen was es bedeutet: Groß, schwarz, nicht wie Kommissar Rex gedrillt, dafür alt, Keine Chance auf baldige Vermittlung.

Regionale Tierschützer wurden aktiv und suchten über Social- Media nach einem Platz. Auch wir wurden von mehreren Seiten kontaktiert. Wir waren voll belegt und demzufolge eher zurückhaltend. Tyson war wohl nicht so an Kontakten mit fremden Menschen interessiert, er kannte es nicht. Kurzum, die Frist lief ab ohne dass sich eine Lösung abzeichnete. Wir fragten wieder einmal bei einem Tierheim um Hilfe und Tyson hatte Glück, es war ein Platz frei, um ihn entweder zu vermitteln oder unsere endgültige Übernahme abzuwarten. Blieb also noch die Transportfrage offen. Nach einigem Hickhack platzte Isabel D. der Kragen.

Sie packte 5 oder 6 Hunde ihres Rudels in ihren Caddy, Tyson auch noch dazu und nahm die gut 800 KM unter die Räder, um Tyson zum Tierheim zu bringen. Niemand konnte ahnen, dass sie die Rückreise mit dem Ridgeback- Rüden Aki im Gepäck antreten würde, der dort 3 Tage zuvor eingezogen war und so sehr ihren verstorbenen Jonny ähnelte. Etwa 6 Monate gelang es nicht, Tyson zu vermitteln. Bei uns wurde ein Platz frei und Tyson zog zu uns um. Inzwischen hatte es Wechsel in der Vereins- wie auch der Tierheimleitung gegeben. Tyson war stark abgemagert und ungepflegt. Es vertrüge kein Trockenfutter und sei sehr wählerisch. Auf seinen Kothaufen sei auch Blut gesehen worden.

Tierarztbesuch, fehlender Impfstatus korrigieren, chippen, alles Fehlanzeige trotz unserer ausdrücklichen Kostenzusage. Wir waren ebenso sauer wie geschockt. Auch hier fanden wir Blut auf seinem Kot und beobachteten mancherlei alarmierende Anzeichen. Zu uns zeigte er sich zunächst skeptisch, taute aber zusehends auf und wäre wohl mit ein wenig Geduld und Liebe zu einem tollen Jungen geworden. Zum Nächstmöglichen Termin ging es nach Hannover zur TiHo. Es stand der Verdacht auf Darmkrebs im Raum. Tyson war halt menschenscheu, es führte kein Weg an einer Betäubung vorbei, so hat er sich gewehrt. Nach Röntgen, Ultraschall und Herzecho kam der Schock. Tyson war sehr schwer herzkrank. In seiner Lunge saßen Tumore, ebenso 2 Stück, kurz vor dem Platzen auf der Milz, die Leber war ebenfalls befallen. Damit waren die Darmblutungen immer noch nicht abgeklärt, aber angesichts der bisherigen Diagnosen mochte man uns die Kosten für ein CT des Darmtraktes nicht zumuten, weil eine weitere Diagnose nichts verbessert hätte. Jede der Diagnosen für sich war schon heftig, die gesamte Beurteilung ergab leider nur den Beschluss, in seinem Sinne zu entscheiden und ihn noch in der Narkose zu erlösen. Ob er zu retten gewesen wäre, wenn ihn das Tierheim 6 Monate früher einem TA vorgestellt hätte bleibt ungeklärt. Wir haben jedenfalls die Zusammenarbeit beendet.