Bonny


 

Im Verlauf unseres „Hundelebens“ haben wir viele, teilweise unvergessliche, leider auch nicht immer schöne Situationen erlebt. Ja, wir sind überzeugte Verfechter der Mehrhundehaltung und wo immer es geht versuchen wir zumindest eine paarweise Haltung.

Es soll hier nicht verschwiegen werden, dass wir trotz aller Begeisterung und Enthusiasmus, trotz der vielen schönen Momente auch unendlich viel Lehrgeld bezahlt haben. Wir mussten lernen, dass sich „Menschendenke“ keineswegs 1:1 auf Hunde adaptieren lässt. Bisweilen lösen gutgemeinte Aktionen der Zweibeiner anstatt Begeisterung oder Dankbarkeit Ablehnung oder Entsetzen bei den Vierbeinern aus. Viele Handlungen der Vierbeiner bleiben uns Zweibeinern unverständlich. Im Extremfall lösen solch unverständliche Handlungen auch positive Effekte aus.

Im Folgenden werde ich von einem solchen Beispiel und der Hündin Bonny, von uns gerne Tante Bonny genannt, berichten.

Unser damals etwa 4-jähriger Rüde Balu, einer der beiden Wurfbrüder die als TS-Welpen zu uns gekommen waren, war von unserer Hündin Ronja mehrmals ziemlich böse zusammengebissen worden, wir mussten sie also trennen. Hier hatte die „Menschendenke“, sie würden ein tolles Paar abgeben, absolut schief gelegen. Ronja lebte fortan als Einzelgängerin bei uns und wirkte recht zufrieden damit. Mein geliebter Balu, ein Tausendsassa, der sonst nur dummes Zeug im Kopf hatte, sank förmlich in sich zusammen wie eine Aufblaspuppe, aus der die Luft entweicht. Er war besorgniserregend depressiv. Balu hatte bisher keinen Tag seines Lebens ohne Gesellschaft eines Artgenossen verlebt und kam offensichtlich mit dem Alleinsein nicht zurecht. Eine weitere Pleite sollte ihm aber auch nicht zugemutet werden. Keine leichte Situation. Zu der damals noch aktiven Orga R…….r i. N.. bestanden gute Kontakte.

Unsere Hündin Enya, die mit Balu`s Bruder Teddy zusammenlebte, stammte aus der dortigen Auffangstation. Moni telefonierte mit den lieben Leuten dort, schilderte die Situation und fragte nach einer geeigneten Hündin. Nun, es gäbe da wohl eine die perfekt geeignet schien. Sie stamme aus einer Tötung in Ungarn und sei schon seit einigen Jahren in der Auffangstation. Weil sie dort zwischen den Hunden wie eine Art Sozialarbeiterin immer wieder Frieden gestiftet hatte war man eigentlich gar nicht mehr so wild darauf diesen Schatz herzugeben. Wir waren gerade erst von NRW hier nach MC-Pom gezogen. Finanziell ging es uns beschi.. wie noch nie, weil sich unser Haus in NRW nicht verkaufen ließ, aber Balu ging es immer schlechter. Er mochte schon nicht mehr so recht Fressen. Egal, wir haben den Spritbedarf kalkuliert, die letzten Euros zusammengekratzt und los ging es. Am Ostersonntag, früh um 4 Uhr habe ich Balu ins Auto gepackt und ab ging die Post. Mit Hin- und Rückfahrt lagen etwa 1200 Kilometer vor uns. Wir wurden dort herzlich empfangen und mir wurde Bonny (sie hieß damals noch Pony) vorgestellt. Wer bei der Auswahl auf Schönheit achtet wäre enttäuscht weitergegangen. Aus Bonny`s Augen strömte aber eine unbeschreibliche Wärme.

Wir haben Bonny und Balu zusammengeführt und es schien zwischen den beiden zu funken. Ich habe letztlich auf den Rat von Hans und Dorle vertraut, sie waren uns um Jahrzehnte an Rottierfahrung voraus. So kam es, dass die beiden hinten in Monis Kombi zusammen lagen. Boxen haben wir damals verpönt. Heute würde ich mich zieren so los zu fahren. Nach einer problemlosen Rückreise Zuhause angekommen hat uns Bonny das erste Mal überrascht. Eine Marotte, die sie bis Zuletzt beibehalten hat, zeigte sich. Bonny lag während der Autofahrt grundsätzlich still wie ein Stofftier. Zuhause angekommen weigerte sie sich standhaft auszusteigen. Sie lag dann, sichtlich genießend, noch etwa eine halbe Stunde bei geöffneten Türen im Auto und bestimmte so selber das Ende der Reise. Gleich am nächsten Tag ergab es sich durch einen Fehler von uns das die beiden Pärchen aufeinander trafen. Es entstand ein Knäuel aus 3 wüst gurgelnden Rottis, umrundet von einer verzweifelten Bonny die offensichtlich bemüht war die Streithähne auseinander zu bringen und Frieden zu stiften. Kurzum, nachdem wir eingeschritten waren hat nur einer heftig geblutet. Teddy hatte in seiner Rage mit einem Eckzahn eine Arterie von mir gelocht. Es hat eben Vorteile eine Intensiv-Krankenschwester als Frauchen zu haben.

Bonny entwickelte sich in den Folgetagen prächtig. Auffällig war, dass sie, die sonst so still war, zu Furie wurde, wenn Ronja auf dem Weg von oder zu ihrem Zimmer an der Schlafzimmertür vorbei ging. Erstaunlicherweise war der Schatz vom Start an stubenrein. Umso verdutzter waren wir als wir mitbekamen, dass sie, wenn sie von draußen hereinkam schnell am Schlafzimmer vorbeiflitzte um in Ronjas Gehweg eilig einige Tropfen Urin zu platzieren. Wir haben nie erfahren ob Balu ihr sein Herz ausgeschüttet hat und sie per Pi-Mail Drohbriefe an Ronja geschickt hat. Beim Füttern zeigte sich der Schatz recht gemütlich, hatte Balu seinen Napf leer sauste sie hektisch zu seinem Napf und urinierte ein paar Tropfen in Balus Napf. Es wurde zum Sport den Napf schnell genug einzusammeln. Auch sonst bekam Balu den einen oder anderen Anranzer von ihr. Interessant war zu beobachten wie Balu an Bonny´s Seite auflebte.

Er gewann zusehends an Selbstbewusstsein und war nach zwei Wochen wieder der alte. Tante Bonny hatte inzwischen unseren Hühnerauslauf entdeckt. Für sie war es das größte, wenn sie, frei von jeder Aggression, den Hühnern beim Picken zuschauen konnte. Wir haben oft über Tante Bonny mit ihrem Eierkino gelacht. Leider zeigte sich bald, dass Bonny´s Gesundheit im Laufe der Jahre arg gelitten hatte. Weil sie kupiert war, Arthrose und Spondylose hatte, lief sie sehr steif und bedächtig. Dass sich ihre Blasenwand verhärtet hatte und sich Struvitsteine gebildet hatten war wesentlich übler. Der Schatz verlor die Kontrolle über ihren Urin. Es lief einfach so aus ihr heraus, worüber sie selber todunglücklich war. Sie schlief grundsätzlich neben meinem Bett und da der sonst so geduldige Schatz zu stolz war eine Windel zu akzeptieren passierte es nicht nur einmal, dass ich schlaftrunken mit dem Fuß in meinen Pantoffel fuhr, hinein in eine mehr oder weniger abgestandene Portion Pipi, weil sie mit ihrem Po auf dem Pantoffel gelegen hatte.

Für Balu war sie jedenfalls die weltbeste Therapeutin. Leider durften wir dieses Juwel nur gerade einmal 1 ½ Jahre bei uns haben. Wegen einem Milztumor haben wir sie gehen lassen, weil uns unser damaliger TA riet uns dazu, weil er den Standpunkt vertrat, einem so alten Hund könne man keine solche OP mehr zumuten. Wir denken und handeln in Zusammenarbeit mit qualifizierteren Ärzten deutlich anders. Balu hat diesen Verlust nie verwunden. Wir haben ihm die 17 Monate alte Nena an die Seite gestellt. Leider hatten wir den Eindruck, dass er sich mit ihr nicht mehr anfreunden konnte. Etwas mehr als ein halbes Jahr später folgte er Bonny mit Milztumor und Lebermetastasen.