Ben & Rimo


 

Er war unser erster Rottweiler. Wenngleich jeder Rotti für uns etwas Besonderes ist so hätte Ben sicherlich 5 Sterne und das Premium- Siegel verdient. Ben hat leider nur geschätzte 9 Jahre alt werden dürfen.

Es war 1996 im Sommer. Moni und ich waren gerade mal 9 Monate verheiratet, seit 3 Monaten stolze Besitzer der Rotti x Schäfi-Mix Dame Rimo und seit einem Monat stolze Hausbesitzer. Eigentlich waren wir also komplett. Moni war mit teilweise schwersten Kalibern an Schäferhunden aus dem TS aufgewachsen, hatte aber Angst vor Rottis. Ich wiederum hatte noch nie einen Hund, wollte aber sooo gerne einen Rotti.

So war Rimo doch der ideale Kompromiss, mehr brauchen wir nicht, dachten wir. Doch es sollte anders kommen.

Rimo hätte ein Schafspelz viel besser zu ihrem Gemüt gepasst. Andauernd wurde sie von anderen Hunden attackiert ohne einen Mucks getan zu haben und ohne sich zu wehren. Bei einem Besuch bei unserem TA mit unserer zerbissenen Rimo, eine Schäferhündin hatte sie leider ziemlich zugerichtet, erzählte er so ganz beiläufig von einem riesigen Rotti- Rüden der ganz dringend ein neues Zuhause suche.

Leider könne er ihn nicht zu seiner unverträglichen Hündin nehmen. Der Junge habe grausiges durchgemacht, aber“hat er Kopf wie Pferd“ schwärmte er mit seinem deutlichen polnischen Akzent. Wir hätten ja jetzt einen Hund protestierte Moni schwach.

Er taktierte recht klug indem er Moni bat sich den Jungen einmal anzuschauen und ihm ihre Einschätzung mitzuteilen. Wir nahmen Kontakt mit der PS auf die uns berichten konnte dass Ben, so hieß der Bär, es wohl bei seinem Besitzer nicht schlecht gehabt hatte, dieser aber von heute auf morgen verstorben sei.

Die Erben nahmen das Haus mitsamt Grundstück mit Kusshand aber der blöde Köter sollte weg. Nicht, dass sie sich um eine Vermittlung bemühten. Sie ließen Ben bei teilweise 15° Minus einfach ohne Wasser und Futter zurück.

Nachbarn alarmierten den nächsten Tierschutzverein, sinnigerweise eine Katzenhilfe. Eine deren PSen wurde aktiv, die Söhne der Dame die alleinerziehende Mutter von 6 Kindern und mehrfache Katzen-PS war rotierte, befreit haben Ben die Söhne spät abends und gelobten aus gutem

Grund Stillschweigen über die Einzelheiten. Für die Familie begann eine harte Zeit da Ben, weil nicht stubenrein, vom Keller bis zum Dach jede Ecke mehrmals täglich „markierte“. Mit den Hühnern, Katzen, Kaninchen und sonstigem Getier hatte er keinerlei Probleme. Die jüngste Tochter, damals gerade mal ca 6 Jahre alt, war Ben unzertrennlich.

Ich habe noch heute das Bild vor Augen wie die Kleine ihr Händchen an Bens Halsband einhakte und mit ihm durch den Ort spazierte. Heute ist sie eine selbstbewusste junge Frau die natürlich der Rasse treu geblieben ist. Mit unendlich viel Liebe und Geduld hat man es geschafft Ben sauber zu kriegen aber er sprengte den Rahmen. Schweren Herzens musste ein neuer, endgültiger Platz gefunden werden.

Es wurde ein Termin vereinbart und wir fuhren, ohne selber zu wissen wozu überhaupt, uns Ben „mal ansehen“. Der Rüde, der uns vorgestellt wurde ließ uns den Atem stocken. Noch nie hatte ich einen so großen Rottweiler gesehen. Moni schluckte und meinte sie müsste sich wohl erst mal an den Anblick gewöhnen, denn eigentlich hatte sie ja Angst vor Rottweilern.

Beim zweiten Treffen nahmen wir unsere Rimo mit, ja, die war begeistert von dem Mannsbild. In unsere Dusseligkeit hatten wir völlig außer Acht gelassen dass unser Mädchen läufig war. Zum Glück ist doch noch alles gut gegangen außer, wir sagt zu Ben zu übernehmen wenn er denn kastriert sei.

Unser TA hat ihn eine Woche später kostenlos kastriert und so zog Ben noch in Narkose bei uns ein.

Irgendwann in der Nacht ist er dann aus der Narkose erwacht, Kopf an Kopf mit Monika auf dem Wohnzimmerteppich liegend, auf Monis anderer Seite lag Rimo. Das Eis war gebrochen, Ben war Monis Hund geworden.

Es zeigte sich das Ben Kinder über alles liebte. Kamen wir an Kindern vorbei war Ben kaum zu halten, weil er bei den Kindern sein wollte.  Sehr bald zeigte sich das Ben, so imposant er auch war so sensibel war er auch. Laute Geräusche, Stress oder laute Worte wenn unser Junior mal wieder Mist gebaut hatte quittierte Ben postwendend mit Durchfall. Überhaupt war er gesundheitlich sehr angeschlagen.

Es gab wohl kein Gelenk ohne Arthrose und Schmerzen. Würde er heut zu uns kommen wäre sein Leben anders. Moni hat viel in Richtung Naturheilkunde und Homöopathie dazugelernt. Wir haben ganz andere Ärzte für unsere Schätze und vor Allem, Ben bräuchte hier keine Treppe steigen.Leider durften wir unseren geliebten Ben nur etwas über 4 Jahre bei uns haben. Am 13. August 2001 mußten wir ihn gehen lassen.