Siel


 

Siel kam über ein Tierheim zu uns. Er war nach einer behördlichen Sicherstellung dort gelandet und machte es den Leuten wahrlich nicht leicht.

Sein Gassigänger war sozusagen sein Lottogewinn. Der war es, der mit viel Liebe, Geduld und Vertrauen den Burschen ganz vorsichtig „knackte“. Sie wurden Freunde. Leider hat Siel die Schäferhündin des Gassigängers nicht akzeptiert und konnte deshalb nicht bei ihm einziehen. Andere hätten sich von Siel abgewendet, aber nicht Jens. Auf der Suche nach einem geeigneten Zuhause für Siel stöberte er unsere Seite bei Facebook auf und begann ganz lieb und sehr diplomatisch um einen Platz für seinen Schützling zu buhlen. Immer öfter kamen von ihren Spaziergängen Bilder oder Videos die auch Aufschluss über die erzielten Fortschritte gaben.

Ein Rottweiler, ein sichergestellter im Tierheim? Was war seine Vorgeschichte? Ein längeres Telefonat mit Jens brachte die traurige Geschichte zutage: Siel war als Welpe mit Papieren an einen alleinstehenden 74- jährigen Mann verkauft worden. Bekanntlich bleiben Welpen nur sehr kurze Zeit so klein und wenn sie ihr Kräftemessen mit ihrem Zweibeiner anfangen sind sie manchmal auch nicht mehr so süüüüüss.

An diesem Punkt kam der Mann alsbald an und setzte seine Kommandos anstatt mit erarbeitetem Vertrauen und Zuneigung mit Stockschlägen durch. So ging es über Jahre. Dann erlitt der Mann eines Tages einen Schlaganfall und kam in eine Klinik. Siel kam zu einer Rottweiler- erfahrenen Freundin von uns zur Pflege und lernte dort, dass die Zweibeiner nicht alle so einen Stock benutzen, wenn sie etwas von ihrem Hund wollen.

Siel war dort insgesamt unauffällig und hätte dort auch verbleiben können. Nachdem der Besitzer, nunmehr körperlich deutlich gezeichnet und am Rollator gehend, aus der Klinik heimkehrte forderte er die Herausgabe seines Hundes sogar mit Anwaltlicher Hilfe ein. 

Siel bekam fortan die Kommandos mit einem Krückstock „eingebläut“. Das ging nur noch kurze Zeit gut, schließlich hatte Siel inzwischen gelernt, dass es auch anders geht. So kam eines Tages das, was nie passieren darf. Siel hat sich gewehrt, seinem Besitzer zu einem neuerlichen Klinikaufenthalt verholfen, wurde sichergestellt und für böse erklärt. Diese Geschichte sollte uns Hundefreunde einiges lehren.